Bevor du eine Affäre beginnst….

…..möchte ich dich mitnehmen auf eine kleine Reise durch mein Leben in einer Affäre als Geliebte.

Dies sind meine individuellen Erfahrungen mir einer Affäre, stark gekürzt und erheben nicht den Anspruch, für alle zu gelten.

 

Die Rolle der Geliebten – Phase 1 der Affäre

Ich habe einen Mann kennengelernt. Auf den ersten Blick hat es gefunkt.

Mann ist das toll!

Der Himmel.

Alles ist neu, aufregend.

Ich bin verliebt und schwebe auf rosaroten Wolken.

Fühle mich begehrt und sexy, bin mir meiner Weiblichkeit bewusst und genieße es.

Alles, was mein Glück trüben könnte, die vorsichtigen Einwände der Familie, Freunde gegen diese Affäre,

(wenn sie überhaupt etwas davon wissen) ignoriere ich erstmal.

Ich kann auch gar nicht anders. Das ist nicht wie sonst. Das geht tiefer.

In diesem Moment spielt es überhaupt keine Rolle, bzw. es ist mir egal, dass er gebunden ist.

Es ist sooooo schön….

 

Die leise Stimme in meinem Kopf die sagt: Er ist nicht frei, das macht keinen Sinn!, überhöre ich.

Die Wahrheiten, die wir am wenigsten gern hören,

sind diejenigen, die wir am nötigsten kennen sollten.

Chinesisches Sprichwort

Wir treffen uns heimlich, wann es möglich ist, er Zeit hat bzw. sich Zeit nimmt.

Ich bin flexibel und verfügbar, bin ja Single.

Das ist auch völlig in Ordnung für mich. Es geht ja auch nicht anders.

Ein paar Wochen geht das so…

 

Affäre Phase 2

Je länger das Verhältnis dauert, umso klarer wird: Ich bin nicht nur erst an zweiter Stelle…..

Vor mir kommen Arbeit, Kind, Frau, Freunde….

Meine Erwartungen, (die sich eingestellt haben), werden nicht erfüllt. Oft hat er keine Zeit, andere Dinge sind wichtiger.

Ich starre ständig auf mein Handy und warte, dass er sich meldet und Zeit mit mir verbringt.

 

So langsam wird deutlich:
ich stehe in der Warteschlange, ohne irgendeinen Einfluss auf die Situation.

Ich kann und darf keine Ansprüche stellen, ich wusste (in meinem Fall) vorher, dass er verheiratet ist.

Auf was ich mich emotional einlasse, wusste ich natürlich nicht.

Der Schmerz beginnt.

Enttäuschungen, unerfüllte Erwartungen und Angst, ihn zu verlieren.

Denn je mehr Nähe ich mir wünsche, desto mehr zieht er sich zurück.

Warum, wird mir erst später klar: Ein Mann, der seine Ehe nicht aufgeben will, kann nicht so wie er will und ich es mir wünsche. Logisch!

Ich bin aber noch voll im emotionalen Modus. Sehe alles aus meiner Sicht. Er tut mir weh. Meine ich.

Zweifel kommen auf: Hat er wirklich Gefühle für mich, oder geht es nur um Sex?

Klar, der Sex ist toll. Ist das alles für ihn?

 

Phase 3 – Die Affäre wird schmerzhaft

Jetzt stecke ich voll im Hamsterrad.

Meine Gedanken kreisen nur noch um den Mann.

Ich stehe morgens mit dem Gedanken an ihn auf, und gehe abends mit dem Gedanken an ihn ins Bett.

Frage mich täglich: Wo ist der Knopf zum Abstellen? Wie komme ich auf andere Gedanken?

Wie kriege ich ihn aus meinem Kopf?

 

Die Achterbahnfahrt beginnt:

OBEN: Wenn ich ihn endlich sehe…

….unten, wenn ich wieder allein bin und auf eine Meldung warte.

Viele Abende, Sonntage, jeden Feiertag, Urlaub….ohne ihn.

Er bei seiner Familie.

Wut,
Ohnmacht,
Verzweiflung,
Traurigkeit,
Hilflosigkeit,
Verlustangst,
Zweifel,
Demütigung…
all diese Gefühle durchlebe ich.
Ich tue mir so leid, bin voll in der Opferrolle.
(Aber nicht er tut mir das an, ich tue mir das selbst an/ wird mir aber auch erst später klar)

Ich leide sehr unter der Situation, bin aber unfähig, die Affäre endgültig zu beenden.
Es ist so ein ON – OFF Ding über Jahre.

 

Phase 4

Ich fange an, zu lesen, suche mir Rat bei Kartenlegern (von denen einige erstaunlicherweise die Ist-Situation detailgenau beschreiben können), recherchiere im Internet und hole mir Hilfe in Form von Matrix2Punkt Sitzungen.
Da muss ich raus, sonst kann ich irgendwann nicht mehr, und außerdem ist es ungesund.

Ich stecke voll in einer emotionalen Abhängigkeit.

 

Wahrheit ist eine widerliche Krankheit.

Man bleibt lieber krank, ehe man sich entschließt,

sie einzunehmen.

August von Kotzebue

 

Es ist harte Arbeit und ich muss mir folgende Fragen ehrlich beantworten:

Warum bin ich in diese Situation geraten?
Was ist mein Anteil daran?
Wie konnte ich mich so in dieser Affäre verlieren?
Was denke ich über mich?
Wie groß ist die Chance, mit ihm richtig zusammen zu kommen (obwohl er ja gesagt hat, er kann und will sich nicht trennen)?
Bekomme ich , was ich will?
Wie geht es mir?
Gefällt mir mein Leben so?
Will ich das überhaupt? Würde ich ihm vertauen?
Was ist die wirkliche Ursache für mein Leid?
Ist es das, was ich wirklich will?

Die Lösung liegt in mir.
Ich muss ehrlich zu mir sein.

Muss die Situation annehmen, sie akzeptieren, wie sie ist. Er ist verheiratet und nicht bei mir!
Und wird es wahrscheinlich auch nie sein. (Nur einer von zehn Männern trennt sich.)
Ich kann toben, schreien, weinen, es ändert nichts an der Situation.
Es ist nur Kampf!
Und das bedeutet Leid!

 

Wenn der Mensch sieht, dass Leiden über ihn kommen,

so soll er in sich gehen und sein Tun untersuchen.

Talmud-Berachot

 

Ich brauche einige Zeit, kann die Situation dann annehmen und aufhören zu kämpfen.
Keiner kann mich daran hindern, ihn weiter zu lieben.  :o)

 

In dieser Gewissheit finde ich etwas Ruhe und kann meine Gedanken langsam darauf richten,
etwas zu ändern.
Ich schaue mir an, wie mein Leben im Moment aussieht und überlege:
  • Was kann / muss ich ändern?
  • Wie komme ich wieder ganz in meinem Leben an?
  • Was muss ich loslassen?
  • Was will ich von / in meinem Leben?
  • Weiter leiden oder mich auf schöne Dinge und mein Leben konzentrieren?

Manche Antworten sind hart und schmerzhaft, aber nötig und heilsam.

 

Phase 5

Ich ordne mein Leben und bin wieder bei mir, in meinem Leben und nicht mehr in seinem Leben.
Ich würde lügen wenn ich sagen würde, ich bin fertig mit ihm und ich denke nicht mehr an ihn.
Aber ich kann es, ohne zu leiden.

Und mit Dankbarkeit, was mir diese Affäre gezeigt hat und wie viel ich über mich selbst erfahren habe.
Ich wäre heute nicht da, wo ich jetzt bin, wenn ich ihn nicht getroffen hätte.
Einfacher/ schöner wäre es natürlich ohne Leid gewesen.
Aber es war so, und ich sehe es nicht als verschwendete Zeit.
Das heißt nicht: Hey mach es so wie ich, eine Affäre ist toll.

Du sollst eine Ahnung davon bekommen, was eine Affäre an emotionaler Härte bedeuten kann.
Aber wenn du eine hinter dir hast: Hasse den Mann nicht, oder sei wütend oder sauer.
Zu diesem Spiel gehören immer zwei.
Tue dir nicht selbst leid. Damit würdest du dich klein machen.
Bewahre die schönen Momente und lerne aus den Herausforderungen.
Ziehe das Positive aus der Geschichte, und das kann eine Menge für dich sein.
Und wenn du am Anfang der Geschichte stehst, dann überlege dir gut, was du willst und wie groß die Chance ist, das du es bekommst.

Wenn du mehr darüber wissen möchtest, ob du ihn loslassen solltest, lies unbedingt auch meinen Blogartikel „Muss ich ihn loslassen?“ und finde heraus, was die wichtigen Dinge bei Affären sind.
Ich hoffe, ich konnte dir einen kleinen Einblick geben.

 

Eine Wahrheit kann erst wirken, wenn der Empfänger für sie reif ist.

Nicht an der Wahrheit liegt es daher, wenn die Menschen noch so voller Unweisheit sind.

Cristian Morgenstern

Deine Petra :o)