Die Momente zwischen den Treffen in einer Affäre

Es gibt Momente in einer Affäre, die niemand sieht. Keine Nachricht, kein Treffen – nur du und die Stille, die bleibt, wenn er wieder in sein anderes Leben gegangen ist. Zu seinem Alltag, zu ihr.

Vielleicht kennst du das: Du legst das Handy weg, und plötzlich ist da diese Leere, die sich anfühlt, als würde jemand den Ton in einem Raum leiser drehen. Alles ist noch da – dein Zuhause, dein Alltag, deine Aufgaben. Aber irgendetwas fehlt an Lautstärke.

Diese Zwischenräume sind oft die schwersten Momente einer Affäre. Nicht die Treffen selbst, sondern das, was danach kommt. Das Warten. Das Grübeln. Die Frage, wann er sich wieder meldet, und was es bedeutet, wenn er es gerade nicht tut.

Ein Beispiel, das ich immer wieder höre

Eine Frau, mit der ich gearbeitet habe, hat mir mal beschrieben, wie ihr Sonntagabend aussah. Er war mit seiner Familie unterwegs, sie wusste das. Trotzdem saß sie auf ihrem Sofa, das Handy griffbereit, und konnte sich auf nichts wirklich einlassen – nicht auf den Film, den sie sich vorgenommen hatte, nicht auf das Buch, das seit Wochen auf ihrem Nachttisch lag.

Sie sagte mir: „Ich war körperlich da, aber mein Kopf war die ganze Zeit bei der Frage, ob er heute Abend noch schreibt.“

Das ist genau das, was diese Zwischenräume so anstrengend macht. Du bist nicht wirklich abwesend – aber du bist auch nicht wirklich bei dir.

Warum diese Zeit so viel Kraft kostet

Wenn ein Großteil deiner emotionalen Energie an jemanden gebunden ist, der nicht durchgehend verfügbar ist, gerät etwas ins Ungleichgewicht. Du wartest auf ein Zeichen. Und in diesem Warten fängst du an, dich selbst ein Stück weit zu verschieben – deine Stimmung, deine Pläne, manchmal sogar deine Entscheidungen richten sich nach einem Kontakt, der nicht in deiner Hand liegt.

Das ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist einfach das, was passiert, wenn viel Gefühl auf wenig Verlässlichkeit trifft.

Was in diesen Momenten wirklich hilft

Bei der Frau von eben haben wir angefangen, klein zu denken. Nicht „Ich blende ihn für den ganzen Abend aus“, sondern: Was kann ich in den nächsten zwanzig Minuten tun, das nur mir gehört?

Manchmal war das ein Spaziergang um den Block. Manchmal ein Anruf bei ihrer Schwester, bei dem es um alles Mögliche ging, nur nicht um ihn. Mit der Zeit wurde daraus ein fester Ankerpunkt für ihre Sonntagabende – nicht als Ablenkung, sondern als bewusster Moment für sich selbst.

Es geht nicht darum, das Gefühl für ihn zu verdrängen. Es geht darum, dir selbst wieder mehr Raum zu geben in einem Leben, das sich gerade sehr um jemand anderen dreht.

Ein Gedanke zum Mitnehmen

Du musst diese Momente nicht sofort anders füllen können. Manchmal reicht es, sie einfach wahrzunehmen und dir zu sagen: Das hier ist schwer, und ich darf trotzdem gut für mich sorgen – auch wenn ich noch keine Antwort auf die großen Fragen habe.

Klarheit kommt selten in einem einzigen Moment. Sie entsteht in genau diesen kleinen Zwischenräumen, wenn du anfängst, wieder auf dich selbst zu hören.

Du zuerst!  Deine Petra :o)